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Netzausbau

Der Boom der grünen Erzeugungsanlagen führt soweit, dass bei starkem Wind schon heute mehr Strom produziert als regional verbraucht werden kann. In 2021 lag der Anteil der erneuerbaren Energien am Letztverbraucherabsatz im Netzgebiet der MITNETZ STROM bei 99 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

Stromnetz mit Windkraftanlagen im Hintergrund

Besser vernetzen

Überall im Osten und Norden der Republik schießen Windräder und Solaranlagen wie Pilze aus dem Boden. Allerdings fehlen bisher Leitungen, die den produzierten Wind- und Sonnenstrom in die Verbrauchszentren im Westen und Süden Deutschlands transportieren.

Die steigende Ökostromerzeugung lässt die Netze immer häufiger an ihre Grenzen stoßen. Folge dieser Entwicklung ist, dass es oft zu Netzengpässen kommt und einige Anlagen zeitweise abgeschaltet werden müssen. Bei MITNETZ STROM war das im Jahr 2021 457 Mal der Fall. An 140 Tagen konnten Energieerzeugungsanlagen aus Gründen der Netzsicherheit gar nicht oder nicht voll einspeisen.

Abhilfe schaffen ein schneller Ausbau der Netze und die Weiterentwicklung der Netztechnik. Ein Baukostenzuschuss von Einspeisern erneuerbarer Energien wäre dabei sinnvoll, um die Kosten fair zu verteilen.

Netzausbau ist unabdingbar

Der Aus- und Umbau der Netzinfrastruktur ist unabdingbar, damit die Energiewende gelingt. Der Bundesbedarfsplan sieht allein für die Höchstspannungsebene vor, 2.800 Kilometer neue Stromtrassen zu bauen und 2.900 Kilometer bestehende Trassen zu verstärken. 
Im regionalen Verteilnetz, das heißt im Hoch-, Mittel- und Niederspannungsnetz, stellt sich die Situation noch dramatischer dar, da hier über 90 Prozent der installierten Leistung aus erneuerbaren Energien angeschlossen sind. Die in 2012 durchgeführte dena-Verteilnetzstudie ermittelte für das Hoch-, Mittel- und Niederspannungsnetz bundesweit einen Um- und Ausbaubedarf von über 150.000 Kilometern. Eine Strecke, die rund vier Mal um die Erde reicht.

Bild mit Strommast und Erdkugel verdeutlicht den Umfang des notwendigen Netzausbaus

Im zweiten Quartal 2021 befanden sich von der Gesamtlänge 2.900 Kilometer vor dem Genehmigungsverfahren, bei etwa 900 Kilometern werden die Raumordnungs- oder Bundesfachplanungsverfahren durchgeführt, rund 5.800 Kilometer befinden sich vor dem oder im Planfeststellungs- oder Anzeigeverfahren. Genehmigt, vor bzw. im Bau waren 136 Kilometer. Bereits fertiggestellt sind 684 Kilometer.

Netzausbauplan der Verteilnetzbetreiber in Ostdeutschland

MITNETZ Strom hat gemeinsam mit den anderen Flächennetzbetreibern in Ostdeutschland einen Netzausbauplan initiiert. Dieser zeigt die notwendige Erweiterung und den Neubau von rund 2.600 Kilometern Hochspannungsleitungen und 39 Übergabe-Umspannwerken als Verknüpfungspunkt zum Übertragungsnetz auf.

Nach aktueller Planung müssen in der Region zwischen Ostseeküste und Thüringer Wald bis zum Jahr 2030 elf Netzverknüpfungspunkte zwischen Verteil- und Übertragungsnetz neu errichtet und 29 Verknüpfungspunkte verstärkt werden. Zusätzlich müssen im Hochspannungsnetz insgesamt 526 Kilometer Trassen neu errichtet und 2.156 Kilometer Trassen verstärkt werden. Untersuchungen zeigen, dass trotz stetiger Investitionen in die Erneuerung und Erweiterung der Netze der Bedarf an weiteren Netzverstärkungs- und Netzausbaumaßnahmen auch in Zukunft hoch bleibt.

Herausforderungen beim Netzausbau

"Lightspeed" für 132.000 Windräder: Wir brauchen viel mehr Verwaltungsentscheidungen, in viel kürzer Zeit!

786 GW oder versinnbildlicht 132.000 Windräder - das ist der Ausbaubedarf der erneuerbaren Energien bis 2045 in Deutschland, um Klimaneutralität zu ermöglichen. Das sind 12 Windräder pro Tag, die nicht nur gebaut, sondern auch in die deutschen Stromverteil- und Übertragungsnetze integriert werden müssen. Erneuerbare Energien und Netzausbau brauchen daher einen wirksamen "Booster", der sich nicht nur auf günstige Investitionsbedingungen auswirkt. Wir müssen vor allem auch die Geschwindigkeit von Planungs-, Genehmigungs- und Gerichtsverfahren erheblich beschleunigen und brauchen viel mehr Verwaltungsentscheidungen in viel kürzer Zeit. Die Energiewende braucht ihr eigenes Projekt "Lightspeed"*. 

Vorbild Impfstoffentwicklung

Dabei lässt sich von der Impfstoffentwicklung in der Corona-Krise lernen. Hier ist es in einer internationalen Krisensituation gelungen, das mehrjährige Verfahren zur Entwicklung und Zulassung eines wirksamen Impfstoffes ohne Qualitätsverlust oder unnötige Risiken auf wenige Monate zu verkürzen. Neben einer komfortablen finanziellen Ausstattung der Impfstoffentwickler kam es dabei vor allem auf den Willen der Zulassungsbehörden sowie der Politik an, innovative Wege in Prüf- und Zulassungsverfahren zu gehen. Nicht mehr und nicht weniger braucht es auch in der zweiten großen globalen Krise unserer Zeit: der Klima- und Energiewende.

Forderungen beim Ausbau der erneuerbaren Energien

Auch beim Ausbau der erneuerbaren Energien und der Integration in die Strom(verteil)netze gilt es, mehrjährige Planungs-, Genehmigungs- und Gerichtsverfahren drastisch zu verkürzen.

Dazu gilt:

  • EEG 2023: Vorrang für Ausbau Erneuerbarer Energien = Vorrang für Verteilnetzausbau
  • Planungs- und Genehmigungsbehörden sowie Gerichte personell und sachlich besser ausstatten und Verfahren digitalisieren
  • Synergien bei Naturschutzgutachten nutzen
  • Parallelität in der Genehmigungspraxis ermöglichen
  • den Stand geltender Gesetze zu Beginn des Verfahrens einfrieren
  • materielle Präklusion für umweltfachliche Einwendungen wieder einführen

Neben einem gesetzlichen Vorrang für erneuerbare Energien sowie der Beschleunigung von Planung- und Genehmigungsprozessen, will die Bundesregierung auch die für Windenergie zur Verfügung stehenden Flächen erheblich ausweiten. Ein gesetzliches Ziel von 2 Prozent des Bundesgebietes für Wind an Land ist im Gespräch. Dieses Ziel macht aber nur Sinn, wenn auch die Erschließung – das heißt, die Integration der Flächen und der potentiellen Strommengen in die örtlichen Verteilnetze -  vorausschauend erfolgt sowie die erforderlichen Netzkapazitäten berücksichtigt und geplant werden können. Wir setzen uns daher für einen Paradigmenwechsel in der Regulierung und Verteilnetzplanung ein: von einem nachgelagerten hin zu einem vorausschauenden Planungsansatz.

Bisher kann das Verteilnetz erst angepasst bzw. ausgebaut werden, wenn auch konkrete Wind- oder PV-Anlagen in Planung sind. Auf Grund des großen zeitlichen Unterschieds in der Realisierung von Erneuerbaren-Energien-Anlagen (Umsetzungszeit: 5 Monate) und des Netzausbaus (Umsetzungszeit: 7 bis 10 Jahre) kann das zu erheblichen Problemen bei Anschluss und Transport der erneuerbaren Energien führen.

Der Verteilnetzbetreiber der enviaM-Gruppe, MITNETZ STROM, informiert unter www.mitnetz-strom.de/Stromnetz/Netzausbau frühzeitig über Planungen zum Netzausbau.

*"Projekt Lightspeed": interne Projektbezeichnung der BioNTech SE für die Entwicklung ihres ersten COVID19 Impfstoffes

Netze in der enviaM-Gruppe

Mann blauer Overoll + Helm vor Hochspannungsmast

Die enviaM-Gruppe leistet einen wichtigen Beitrag zum Umbau des Stromnetzes in Ostdeutschland. Der kontinuierliche Netzausbau im Hoch-, Mittel- und Niederspannungsnetz steht dabei im Mittelpunkt. Dazu zählen Umspannwerke und Trafostationen zu modernisieren sowie Freileitungen im Mittelspannungs- und Niederspannungsnetz durch Erdkabel auszutauschen. Insgesamt investierte MITNETZ STROM im Jahr 2021 rund 322 Millionen Euro.

Der Netzausbau ist wichtiger denn je, um den steigenden Anforderungen an unser Netz gerecht zu werden. Ein zunehmender Aufwuchs von privaten Photovoltaik-Dachanlagen hat die Anzahl der Anschlussanfragen rapide steigen lassen. Bei der Einspeisung erneuerbaren Energien aus Onshore-Wind- und Photovoltaik-Parks verzeichnen wir inzwischen Rekordwerte. Zudem erwarten unsere Kunden zunehmend eine höhere Flexibilität aus dem Verteilnetz.

Dirk Sattur
technischer Geschäftsführer der MITNETZ STROM

Automatisierte Netzanschluss-Prüfung in Echtzeit

Die Netzanschluss-Prüfung ist ein Nadelöhr beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Nicht selten vergehen mehrere Wochen bis die gewünschte Auskunft vorliegt. Daher hat MITNETZ STROM die automatisierte Netzanschluss-Prüfung in Echtzeit eingeführt. Sie vereinfacht Stromerzeugern aus erneuerbaren Energien mit Anlagen mit mehr als 135 KW den Zugang zum Stromnetz. Diesen ist es nun möglich, online abzufragen, wo sie ihre gewünschte Leistung anschließen können. Sie erhalten sofort eine Rückmeldung. Bei Bedarf sind außerdem alle freien Kapazitäten für Netzanschlüsse im gesamten Netzgebiet einsehbar.

Ökologisches Trassenmanagement

Um den Strom sicher vom Erzeuger zum Verbraucher zu transportieren, müssen Stromleitungen fortlaufend von leitungsgefährdendem Bewuchs freigehalten werden. Dies ist häufig mit größeren Eingriffen in die Natur verbunden. Daher setzt MITNETZ STROM auf ökologisches Trassenmanagement und erhält so wertvolle Landschaften und Lebensräume.

Über 60 Prozent aller Hochspannungs-Freileitungstrassen sind bereits in die ökologische Trassenpflege eingebunden. Das heißt, die Trassenfreihaltung erfolgt naturschonend. Bäume und Sträucher unterhalb der Hochspannungsleitungen werden zugelassen, niedrig wachsende Gehölze  gefördert, um Tieren einen gefahrlosen Übergang durch die Landschaft zu ermöglichen. Gehölze, die entfernt werden müssen, werden nicht beseitigt, sondern außerhalb der Leitungstrasse zu Totholzhaufen geschichtet. Aus ihnen entstehen wertvolle Biotope für Insekten, Reptilien und Vögel. Auch eine Beweidung der Flächen ist möglich.

Stromtrassen prägen einen bedeutenden Teil der Landschaft. Umso wichtiger ist es, diese noch stärker auf den Naturschutz auszurichten. Mit unserem ökologischen Trassenmanagement im Hochspannungsbereich leisten wir einen positiven Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt.
Mathias Standke
Projektleiter für ökologisches Trassenmanagement bei MITNETZ STROM