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Netzsicherheitsmanagement

Das Netzsicherheitsmanagement ist notwendig, um das Stromnetz stabil zu halten. Weht beispielsweise der Wind stark und die Sonne scheint, werden sehr viel Wind- und Sonnenenergie in das Stromnetz eingespeist. Wenn der Kunde diesen Strom aber nicht benötigt, kommt es zu einer Überlastung der Stromleitungen.

Grafik zum Netzsicherheitsmanagement

Der Netzbetreiber spricht von netz- oder systemkritischen Situationen. Die Überlastung halten die Stromleitungen bzw. das Stromnetz nur wenige Minuten aus. Dann kommt das Netzsicherheitsmanagement zum Einsatz. In der Netzleitstelle wird automatisch errechnet, welche Leistung in welcher Region des Netzgebietes reduziert werden muss, um ein stabiles Stromnetz wiederherzustellen. Der Netzbetreiber spricht von Eingriffen in das Stromnetz. Meteorologische Vorhersagen und aktuelles Verbrauchsverhalten der Kunden fließen in die Berechnungen mit ein.

Gesetzliche Rahmenbedingungen.

Grundlage für das Vorgehen beim Netzsicherheitsmanagement, kurz NSM,  bilden das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sowie das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG). Beide Gesetze fordern Netzbetreiber zur verbraucherfreundlichen, effizienten und umweltverträglichen Stromversorgung auf. Das EEG verpflichtet des Weiteren zur vorrangigen Nutzung von erneuerbaren Energien. 

Abschaltung und Entschädigung bei Ausfall.

Müssen beispielsweise aufgrund starker Winde und geringer Stromabnahme, Windkraft-, Solar- oder Biogasanlagen teilweise oder komplett abgestellt werden, so hat der Betreiber dieser Erneuerbaren-Energien-Anlagen laut Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) Anspruch auf eine Entschädigung. Die dabei anfallenden Kosten werden auf die Netznutzungsentgelte umgelegt. 

Bevor es zu dieser Maßnahme kommt, sind verschiedene Möglichkeiten zur Regulierung des Stromnetzes vorhanden. So kann zum einen mittels Umschaltungen der Strom um den Engpass „herumgeleitet“ werden. Diese Methode wird auch „netzbezogene Maßnahme“ genannt. Zum anderen kann der Netzbetreiber nach Absprache mit den Eigentümern konventioneller oder Erneuerbarer-Energie-Anlagen eine gesonderte Vergütung vereinbaren.

Erst im letzten Schritt dürfen Netzbetreiber den Betrieb der Erneuerbaren-Energien-Anlagen abregeln, da diese einen „Einspeisevorrang“ genießen. Werden regulierende Maßnahmen vorgenommen, so ist der Netzbetreiber in der Pflicht, diese dem Betreiber der Erneuerbaren- Energien-Anlage sofort zu melden.

Animation Netzsicherheitsmanagement

Netzsicherheitsmanagement in der enviaM-Gruppe.

Ein Mitarbeiter der Schaltleitung Taucha am Telefon

Übersteigt die Einspeiseleistung den Verbrauch deutlich, kann das zu Netzüberlastungen führen. Mit dem Netzsicherheitsmanagement greift MITNETZ STROM in das Netz ein. Der Netzbetreiber weist betroffene Anlagen per Funksignal über die zentrale Schaltleitung an, ihre Anlagen herunterzufahren. Dabei werden zunächst konventionelle Energieanlagen heruntergefahren, danach erneuerbare Energien wie Wind-, Photovoltaik- und Kraft-Wärmekopplungs-Anlagen. 

Vielzahl von Baumaßnahmen erfordern mehr Eingriffe in das Stromnetz

MITNETZ STROM musste im Jahr 2021 mehr ins Stromnetz eingreifen, um Netzüberlastungen zu vermeiden. Das Unternehmen hat 457 Mal (2020: 308) die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien herunterfahren lassen. Am häufigsten waren die Netzregionen Brandenburg mit 215 Eingriffen (2020: 102) und  Sachsen-Anhalt mit 188 Eingriffen (2020: 174) betroffen. An 140 Tagen konnten Energieerzeugungsanlagen aus Gründen der Netzsicherheit gar nicht oder nicht voll einspeisen. Circa 11 Prozent der Netzeingriffe gingen auf die Anforderungen der Übertragungsnetzbetreiber mit einer Leistung von rund 12.000 Megawatt zurück.

Verzögerte Genehmigungsverfahren für den Neubau von Leitungen führen zu provisorischen Lösungen und Verlagerung des Stromes auf andere Leitungen. Dadurch entstehen weitere Eingriffe in das Netz.

Dirk Sattur, technischer Geschäftsführer MITNETZ STROM